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| Interview mit Prof. Ewald Brückl |
| ORF Morgenjournal 2. Juli 2002 |
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Ein spektakuläres wissenschaftliches Experiment wird in den kommenden Tagen den Ostalpenraum buchstäblich erschüttern. Alp2002 heißt das Experiment, das in Österreich und sechs Nachbarstaaten durchgeführt wird und zwar spürbar. Im Ostalpenraum wird eine Woche lang gesprengt. Das Experiment dient unter anderem der Erdbebenforschung.
Wir hören Barbara Dasser: In 50m Tiefe explodieren 300kg Sprengstoff. Diese künstlichen Beben sollen helfen, natürliche Erdbeben besser zu verstehen. An 12 Stellen in Österreich und 20 Stellen in Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Italien und Deutschland wird deshalb in den kommenden Nächten gesprengt, sagt der Geophysiker und Projektleiter Ewald Brückl.
E. Brückl: Diese Sprengungen sind ausgelegt, um besonders starke Erschütterungen zu machen, das heißt diese Erschütterungen können Sie sicherlich 2-3 km spüren. In der Nähe gelegene Häuser könnten Schäden davontragen. Aber wir haben Sorge getragen, dass die nächsten Objekte 1 km entfernt sind, sodass wirklich ausgeschlossen werden kann, dass irgend etwas passiert.
B. Daser: Brückl unterrichtet am Institut für Geodäsie und Geophysik der Technischen Universität Wien. Er koordiniert das Großexperiment, bei dem die oberste Schicht der Erde erforscht wird, jene Schicht aus Platten, in der Erdbeben entstehen. Bei dem Experiment werden durch die Sprengungen seismische Wellen, also Beben angeregt. 500 Meßstationen wurden in Österreich aufgebaut, 600 in den Nachbarstaaten. Die Meßgeräte sind so groß wie eine Konservendose. Sie können 300 km entfernt Erschütterungen aufzeichnen. Das Ziel: ein Modell der oberstenErdschichten der Ostalpen, sagt Brückl.
E. Brückl: das nächste ist, wir wollen aus dem jetzigen Zustand, den wir da festhalten, verstehen, warum und wie die aktuellen Prozesse stattfinden, also warum wir unsere Beben gerade so angeordnet haben in Österreich,
wie sie stattfinden. warum die derzeit beobachtbaren Krustenbewegungen stattfinden. Man versteht besser, wie sich Sedimentbecken entwickeln können. Das interessiert Leute mit dem Erdöl. Es ist also eine Reihe von praktischen Anwendungen gegeben in der Folge aufbauend auf diesen Grundlagenforschungen.
B. Daser: An den Forschungen beteiligen auch die USA Dänemark, Finnland und Polen. Die erste Sprengung erfolgt in der Nacht auf den 3. Juli in Ungarn, die letzte Sprengung in Kroatien am 5. Juli in den Morgenstunden. In Österreich wird 4.5. Juli, jeweils zwischen 4 und 5 Uhr gesprengt und zwar in Tirol, Kärnten, Oberösterreich und der Steiermark. Die ersten Ergebnisse sollen in einem Jahr vorliegen, eine Interpretation des Modells der Erdkruste in den Ostalpen wird noch drei Jahre dauern. |
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