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Kleine Zeitung, 2.7.2002, Ausgabe:Stmk.-Morgen, Ressort:Ennstal |
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| 1500 Kilo Sprengstoff zum Frühstück in der Forstau |
In den frühen Morgenstunden am Mittwoch werden
die Bewohner in der Forstau vielleicht eine kleine Erschütterung
spüren. Ein Mini-Erdbeben sozusagen. Grund dafür ist ein
internationales seismisches Großexperiment, genannt ALP2002",
das in Österreich von der Technischen Universität in Wien
koordiniert wird. "Unser Ziel ist es, ein genaueres, dreidimensionales
Modell der Struktur und der mechanischen Eigenschaften der obersten
Erdschicht, genannt Lithosphäre, zu entwickeln, erklärt
Universitätsprofessor Ewald Brückl.
SPRENGLÖCHER In den letzten Wochen wurden deshalb an rund 30 Punkten quer durch
Österreich Sprenglöcher gebohrt. Pro Sprengung werden
fünf, rund 50 Meter tiefe Löcher mit jeweils 300 Kilogramm
Sprengstoff versehen. Einer dieser Sprengpunkte liegt in der Forstau,
wo österreichweit die erste Ladung gezündet wird.Die Sprengung
wird in den frühen Morgenstunden erfolgen. Dann ist wenig Verkehr
und damit die seismographische Bodenunruhe gering, so Brückl.
Die Sprengungen werden in rund zwei bis drei Kilometern Entfernung
zu spüren sein. Zu hören ist dabei die Detonation in der
Lautstärke eines Böllers sowie ein dumpfes Grollen von
der eigentlichen Sprengung. Es ist allerdings nicht besonders spektakulär,
es fliegt nichts durch die Luft, alles findet unterirdisch statt.
Allerdings ist es von Vorteil, wenn die Bevölkerung informiert
ist, erklärt Brückl. Dass durch die Sprengung irgendein
Schaden entstehen könnte glaubt er nicht. Alle diese Punkte
sind in unbebautem Gebiet, wir haben Erfahrungswerte, da kann nichts
passieren, so der Wissenschafter.
ERDBEBEN Entlang der Sprenglinien werden 1100 seismographische
Stationen aufgestellt, mit denen die Erschütterungen gemessen
werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden mit den Daten aus anderen
Ländern verknüpft, die ebenfalls bei diesem Experiment
mitmachen. Von den Ergebnissen erwartet man sich zum Beispiel, dass
Erdbeben künftig besser lokalisiert werden können. Aber
auch die Entwicklung von Sedimentationsbecken und die damit verbundene
Entstehung von Lagerstätten wie Erdöl soll durch das Experiment
besser verstanden werden. VON CHRISTIAN HUEMER |
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