Seismic Exploration of the Alpine Lithosphere
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Die Mürzer und Veitscher wirds in den Betten rütteln
Für ein seismologisches Experiment werden von der Technischen Uni Wien Sprengungen durchgeführt. Spürbar zu nächtlicher Stunde.
In den frühen Morgenstunden am Freitag, etwa zwischen vier und fünf Uhr, werden die Bewohner in der Veitsch vielleicht eine kleine Erschütterung spüren. Ein Mini-Erdbeben sozusagen. Dasselbe gilt für Mürzzuschlag, nur etwas früher.

Grund dafür ist ein internationales seismologisches Großexperiment, genannt "ALP2002", das in Österreich von der Technischen Universität in Wien koordiniert wird. "Unser Ziel ist es, ein genaueres, dreidimensionales Modell der Struktur und der mechanischen Eigenschaften der obersten Erdschicht zu entwickeln", erklärt Universitätsprofessor Ewald Brückl.
In den letzten Wochen wurden deshalb an rund 30 Punkten quer durch Österreich Sprenglöcher gebohrt. Pro Sprengung werden fünf rund 50 Meter tiefe Löcher mit 300 Kilogramm Sprengstoff versehen. In der Veitsch gibt es aber nur eine Sprengung. "Die erfolgt in den frühen Morgenstunden, weil weniger Verkehr ist, damit ist auch die seismographische Bodenunruhe gering", so Brückl. Die Sprengungen sind in rund zwei bis drei Kilometern Entfernung als leichtes Grollen spürbar.

KEINE SCHÄDEN
"Es ist nicht besonders spektakulär, es fliegt nichts durch die Luft, alles findet unterirdisch statt", erklärt Brückl. Schäden könnten nicht enstehen: "Alle diese Punkte sind in unbebautem Gebiet, wir haben Erfahrungswerte, da kann nichts passieren", beruhigt der Wissenschafter.

Entlang der Sprenglinien in Österreich werden 1100 seismographische Stationen zur Messung der Erschütterungen aufgestellt. Davon erwartet man sich zum Beispiel, dass Erdbeben künftig besser lokalisiert werden können. Die Untersuchungen sollen auch der Grundlagenforschung für die Nutzung von Erdwärme dienen. Aber auch die Entwicklung von Sedimentationsbecken und die damit verbundene Entstehung von Lagerstätten wie Erdöl sollen dadurch besser verstanden werden. VON CHRISTIAN HUEMER, MICHAELA AUER