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Neues Volksblatt, Nr. 147, 27.06.2002, Seite:39 |
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Ab 1. Juli kracht's in elf Ländern, bei uns in Schärding und am Attersee-
Großsprengungen sollen Beben-Entstehung klären |
Mit einem spektakulären Großexperiment in Österreich,
Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Italien und Bayern wollen
Wissenschafter von 1. bis 7. Juli die oberste Schicht der Erde (Lithosphäre)
erforschen. Dazu werden entlang von zwölf Linien 30 Sprengungen
mit je 300 kg Sprengstoff durchgeführt - in Oberösterreich
in Schärding und am Attersee. 1100 Seismometer zeichnen die
dabei entstehenden Erschütterungen auf. Die Lithosphäre
umfasst die Erdkruste und den obersten Erdmantel, also die obersten
100 km, wo die Erde (Durchmesser: 12.740 km) noch fest ist. Sie
besteht aus einer größeren Zahl von Platten, die auf
der darunter liegenden, Asthenosphäre genannten Schicht, schwimmen.
Erdbeben entstehen in der Lithosphäre.
Wir erwarten uns zum Beispiel, Beben besser lokalisieren zu können,
erklärt der österreichische Projektleiter, Univ.-Prof.
Ewald Brückl von der TU Wien. Außerdem etwa, warum sich
Erdöl wo abgelagert hat. Die neuen Erkenntnisse sind auch im
Hinblick auf tiefe Tunnel, wie den geplanten Brenner-Basistunnel,
von Interesse. Gesprengt wird auch in Oberösterreich, nämlich
in Schärding und am Attersee. Im Bundesgebiet außerdem
in der Wattener Lizum, im Defreggental (Tirol), Oberdrauburg, Arnoldstein,
Eisenkappl, Maltatal, Wolfsberg (Kärnten), Mürzzuschlag,
Schladming und Veitsch (Steiermark).
An rund 30 Stellen wurden in den letzten Wochen dafür Sprenglöcher
gebohrt - jeweils fünf, rund 50 m tiefe Löcher, in denen
je 300 kg Sprengstoff versenkt werden. Die Plätze wurden so
gewählt, dass keine Schäden entstehen können, betont
Brückl. Am 1. und 2. Juli werden die 1100 seismischen Stationen
aufgestellt, von 2. bis 5. Juli wird dann - zeitversetzt gesprengt,
und zwar jeweils in den frühen Morgenstunden. Die Sprengungen
wird man noch in zwei bis drei Kilometer Entfernung spüren.
Zu hören ist die detonierende Zündschnur so laut wie ein
Böller, und ein dumpfes Grollen. Seismische Stationen werden
die Detonationen noch in 300 bis 500 km Entfernung registrieren.
Die Auswertung des Experiments wird drei Jahre dauern. Organisiert
wird ALP2002 von elf Ländern. In Österreich wird es von
der Akademie der Wissenschaften koordiniert.
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